Konferenzen/Symposien

Tagung “Medical Pluralism – Past and Present”
Villa Vigoni (Loveno di Menaggio)

15. bis 18. Mai 2011

Auf dieser internationalen Tagung, die vom Institut für Geschichte der Medizin der Robert Bosch Stiftung in Zusammenarbeit mit der Villa Vigoni und in Verbindung mit dem Dialogforum Pluralismus in der Medizin an der Bundesärztekammer organisiert wurde, unternahmen renommierte Historiker und Gesundheitsexperten aus Europa, Indien und den USA erstmals den Versuch, unterschiedliche Erscheinungsformen des ‚alten’ und ‚neuen’ medizinischen Pluralismus zu beschreiben und zu analysieren; denn von einem medizinischen Pluralismus im heutigen Sinne des Wortes kann vor Ende des 19. Jahrhunderts keine Rede sein, da es noch keine ‚Schulmedizin’ gab. Es wurden insbesondere länderspezifische Differenzen und Entwicklungen in den Blick genommen. Den Abschluss der Tagung bildete eine Podiumsdiskussion, die über Ländergrenzen hinweg neuere Entwicklungen sowie Perspektiven des ‚neuen’ Pluralismus aufzeigte.

Eröffnet wurde die Tagung von Waltraud Ernst (Oxford) mit einem Plädoyer für einen bewussten und kritischen Umgang mit dem Konzept des medizinischen Pluralismus. Gerade in der heutigen globalisierten, postkolonialen und postmodernen westlichen Welt werden Historiker und Anthropologen mit einem medizinischen Markt konfrontiert, der zwar nach wie vor von der Schulmedizin dominiert wird, in welchem aber eine Vielzahl von weiteren unterschiedlichen und hoch dynamischen medizinischen Systemen anzutreffen sind, die auch von äußeren Faktoren, wie beispielsweise vom Markt, dem Staat und den Patienten, beeinflusst werden. Eine zu sehr vereinfachende Sichtweise auf dieses sensible und komplexe Forschungsfeld verliert sich allzu oft in Dichotomien. Diese können indes die einzelnen Elemente, die einem pluralistischen System innewohnen, lediglich statisch in Abgrenzung zueinander darstellen und stehen daher einer umfassenderen Betrachtungsweise entgegen. Stattdessen ist ein Ansatz von Nöten, der möglichst unabhängig der vorherrschenden monistischen oder dualistischen Sichtweisen den Themengegenstand in den Blick nimmt.

Den Abschluss der Tagung bildete eine Podiumsdiskussion, die über die Ländergrenzen (Deutschland, Europa, Indien, USA, Japan) hinweg die zukünftigen Perspektiven des ‚neuen’ medizinischen Pluralismus aufzeigte.

Diese Tagung hat nicht nur gezeigt, dass das Phänomen des medizinischen Pluralismus nicht nur auf die Gegenwart beschränkt ist, sondern auch eine lange Vorgeschichte hat. Allerdings sind seine spezifischen Erscheinungsformen stark vom historischen sowie kulturellen Kontext abhängig. Darüber hinaus wurde deutlich, wie ungemein relevant die Diskussion über den Pluralismus in der Medizin, vor allem in Hinblick auf eine individuelle, bedarfsgerechte und qualitätsmäßig gesicherte Versorgung der Patienten weltweit, ist. Der konstruktive Diskurs unter den teilnehmenden Wissenschaftlern aus unterschiedlichen Disziplinen und Kulturkreisen erwies sich für eine vergleichende Perspektive als überaus anregend und fruchtbar. Der auf dieser Tagung praktizierte Versuch, dieses schwer zu erfassende Forschungsfeld in einen sowohl interdisziplinären als auch Länder übergreifenden Kontext zu stellen, kann auch in Zukunft ertragreiche Ergebnisse liefern.

Ein Teil der Beiträge wird in überarbeiteter Form in einem Aufsatzband publiziert, der 2012 im Franz Steiner Verlag Stuttgart erscheinen wird.

Kontakt: Prof. Dr. Robert Jütte: robert.juette@igm-bosch.de


Medical Pluralism – Past and Present

Villa Vigoni (Loveno di Menaggio)

Sunday 15th - Wednesday 18th May 2011

Organizers:

Institute for the History of Medicine of the Robert Bosch Foundation, Stuttgart

Centro Italo-Tedesco Villa Vigoni, Loveno di Menaggio

in collaboration with the Dialogforum Pluralismus in der Medizin, Berlin


Programme

Sunday 15th May

in the afternoon

Arrival of the guests

19.30

Aperitif and gala dinner


Monday 16th May

9.30 - 10.30

Keynote lecture


Waltraud Ernst (Oxford)


Pre-modern

10:30 - 11:30

Robert Jütte (Stuttgart)

Medical Pluralism in early modern Germany

11:30 - 12:00

Coffee break

12:00 - 13:00

David Gentilcore (Leicester)

Medical Pluralism in early modern Italy

13:00

Lunch

15.00 - 16.00

Matthew Ramsey (Nashville/TN)

Medical Pluralism in early modern France

16.00 - 17.00

Hilary Marland (Warwick)

Medical Pluralism in 19th-century Britain: domestic medicine and the agency of 'active' patients and consumers

17.00 - 17.30

Coffee break


19th and early 20th Century (c. 1850-1930)

17.30 - 18.30

Phil Nicholls (Stoke-on-Trent)

Medical Pluralism in Britain

18.30 - 19.30

Arnaud Baubérot (Paris)

Medical Pluralism in France

19.30

Dinner



Tuesday 17th May

9.30 - 10.30

Gunnar Stollberg (Bielefeld)

Medical Pluralism in Germany

10:30 - 11:30

Nadav Davidovitch (Israel)

Medical Pluralism – The Israeli Case

11:30 - 12:00

Coffee break


Medical Pluralism: Current situation

12:00 - 13:00

Elio Rossi (Lucca)

Medical Pluralism – The Italian Case

13:00

Lunch

15.00 - 16.00

George Lewith (Southampton)

Medical Pluralism – The British Case

16.00 - 17.00

Harald Walach (Frankfurt/Oder)

Medical Pluralism – The German Case

17.00 - 17.30

Coffee break

17.30 - 18.30

Summary


Martin Dinges (Stuttgart)

Medical Pluralism: Comparative View

19.30

Dinner


Wednesday 18th May

9.00 - 11.30

Panel Discussion: CAM and Integrative Medicine – Perspectives


Experts


Europe

Stefan Willich (ECIM and Dialogforum Pluralismus in der Medizin)


USA

Jonas B. Wayne (Samueli Institute, Alexandria VA)


Japan

Christian Oberländer (Halle/S.)


India

Raj Kumar Manchanda (New Delhi)

12.00

Departure of the guests



Kontakt

Dialogforum Pluralismus
in der Medizin

Geschäftsstelle

Univ.-Prof. Dr. med. Peter F. Matthiessen

Sekretariat: Frau Iveta Kotterheidt

Arbeitsbereich Methodenpluralität in der Medizin

Private Universität Witten/Herdecke gGmbH

Gerhard-Kienle-Weg 6, Haus C

D-58313 Herdecke

Telefon Sekretariat:

0049–(0) 23 30–62 38 90

Telefon Prof. Matthiessen:

0049–(0) 23 30–62 39 35



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