Im Gedenken an Prof. Dr. med. Dr. h. c. Jörg-Dietrich Hoppe

Präsident der Bundesärztekammer 1999-2011

Präsident der Ärztekammer Nordrhein 1993-2011

Gründungsmitglied des Dialogforums Pluralismus in der Medizin

Den Mitgliedern des Dialogforum Pluralismus in der Medizin ist es ein elementares Bedürfnis, unserem am 7. November 2011 überraschend und viel zu früh verstorbenen Gründungsmitglied des Dialogforum Pluralismus in der Medizin Herrn Prof. Dr. med. Dr. h. c. Jörg-Dietrich Hoppe unseren Dank und unsere Hochachtung auszusprechen.

Der Tod von Herrn Prof. Jörg-Dietrich Hoppe geht uns sehr nahe und berührt auch uns schmerzlich. Jörg-Dietrich Hoppe war ein von uns allen fachlich wie menschlich hoch geschätztes Gründungsmitglied des Dialogforum Pluralismus in der Medizin. Als Präsident der Bundesärztekammer hat er diesen Kreis in dem Anliegen gegründet, festgefahrene Parteilichkeiten zwischen Schulmedizin und Komplementärmedizin zugunsten der Erarbeitung einer Integrativen Medizin zu überwinden. Wissend, dass diese Initiative von einigen Gruppierungen innerhalb der Ärzteschaft mit Skepsis verfolgt werden würde, hat Jörg-Dietrich Hoppe diesen Kreis dialogbereiter Ärzte und Wissenschaftler dennoch bewusst und mutvoll gegründet, um auch hier einen Beitrag zu leisten für die Erarbeitung einer überparteilichen, voll orchestrierten Gesundheitsversorgung, die sich an den individuellen Bedürfnissen der aktuellen oder potentiellen Patienten bemisst, die den Erhalt der Freiberuflichkeit des ärztlichen Tuns anstrebt und einen ethisch höchst fragwürdigen Ökonomismus in der Medizin zu überwinden trachtet. Während der ganzen Zeit seines Bestehens hat Jörg-Dietrich Hoppe als Präsident der Bundesärztekammer und der Ärztekammer Nordrhein dem Dialogforum Pluralismus in der Medizin die Treue gehalten und die Anliegen dieses Kreises besonnen und mutvoll in der Öffentlichkeit vertreten. Das erfüllt uns ihm gegenüber mit großer Dankbarkeit.

Neben seinem Einsatz für das Dialogforum Pluralismus in der Medizin hat Herr Prof. Dr. Jörg-Dietrich Hoppe sich sowohl als oberster Repräsentant der verfassten Ärzteschaft wie auch als Arzt, Wissenschaftler und Mensch eingesetzt für ein Selbstverständnis des Arztberufes als eines freien Berufs. Seinem angestammten Selbstverständnis nach gehört der Arztberuf zu den klassischen Professionen, die sich dadurch ausweisen, dass ihre Vertreter nicht nur über ein spezialisiertes akademisches Expertenwissen verfügen, das im Zuge der Bereitschaft zu lebenslanger Lern- und Weiterbildung aktualisiert wird, sondern die neben dem wissenschaftlichen Kenntnisstand auch über eine berufsspezifische Skill-basierte gesundheitliche Problemlösekraft verfügen im Sinne eines wissenden Könnens und könnenden Wissens. Zudem gehört zum Selbstverständnis einer Profession, zumal zur ärztlichen Profession, ein gesellschaftliches Mandat, in relevanten Lebensbereichen exklusiv Aufgaben wahrzunehmen, was, da eine wissenschaftlich fundierte und mit professioneller Kompetenz ausgeübte Praxis ihren Mitgliedern ein autonomes Handeln ermöglicht, einen gesellschaftlichen Nutzen garantiert. Professionelles Handeln wird deshalb in relativer Unabhängigkeit von administrativen und ökonomischen Zwängen ausgeübt.

Wirft man aber einen Blick auf die gegenwärtige Situation der ärztlichen Berufsausübung, so wird rasch deutlich, dass der Arztberuf schon seit längerer Zeit auf dem Weg ist, seine besondere gesellschaftliche Funktion und Bedeutung zu verlieren und ein normaler Dienstleistungsberuf  zu werden, was keineswegs der Überzeugung der großen Mehrheit der Ärzteschaft entspricht. Parallel dazu ist eine Merkantilisierung der Medizin zu beobachten, die ethisch fragwürdig erscheint und ärztlicherseits  als unangemessen angesehen wird. Gesundheit, Krankheit, Heilung, die diagnostische Treffsicherheit, die individuelle Therapiefindung, empathische Teilhabe am Befinden und am Leid des Kranken, einfühlsames Begleiten im Rahmen einer chronischen Erkrankung, die Befähigung des Kranken zur gesundheitlichen Selbstkompetenz, bei all dem handelt es sich nicht um ökonomische Kategorien.

Herr Prof. Hoppe hat denn auch immer wieder  die Position vertreten, dass die Auffassung des Arztes als „Anbieter von Gesundheitsleistungen“, die auf einem „Gesundheitsmarkt“ vom Bürger als potenziellem oder aktuellem Patient als „Kunden konsumiert“ werden, nicht geeignet ist, eine dem Menschen angemesse ärztliche Praxis sowie ein humanes Gesundheitswesen zu begründen. Als Arzt, Wissenschaftler und oberster Repräsentant der deutschen Ärzteschaft ist  Jörg-Dietrich Hoppe nicht müde geworden zu betonen, dass „Ärzte keine Kaufleute und Patienten keine Kunden“ sind. Das hat sich auch in den Beschlüssen des 111. Deutschen Ärztetages 2008 in Ulm niedergeschlagen. Im sog. Ulmer Papier, das erkennbar die Handschrift von Jörg-Dietrich Hoppe als damaligem Präsidenten der Bundesärztekammer trägt, wird entschieden der Wille bekundet, die in der Vergangenheit eingeleiteten Prozesse der Deprofessionalisierung des beruflichen Status ärztlichen Handelns ordnungspolitisch zu korrigieren und so die ärztlicherseits gewollte Wiederherstellung und Weiterentwicklung  des Selbstverständnisses ärztlichen Handelns als eines freien, sich an den Patientenbedürfnissen und am Sozialwohl orientierenden Berufs zu ermöglichen.

So sehr Jörg -Dietrich Hoppe sich dafür eingesetzt hat, den Arztberuf als Profession zu verstehen und die im Zuge von Deprofessionalisierungsprozessen aufgetretene Bedrohung der Freiheit von administrativer und ökonomischer Fremdbestimmung rückgängig zu machen, so sehr gehörte es andererseits zu seinem Selbstverständnis des ärztlichen Tuns, das die ärztliche Freiberuflichkeit  zugleich auch das Element einer Freiheit für die Übernahme von sozialer Verantwortung, die Verpflichtung gegenüber Patienten und Bürgern sowie die Weiterentwicklung eines Gesundheitswesens mit menschlichem Antlitz auffasst und sich auch für die Erarbeitung von ärztlichen Honorierungsformen einsetzt, die sich nicht nur an der Sicherung der Pfünde orientieren, sondern sozial verträglich sind und eine ärztliche Praxis ermöglichen, die sich an den Bedürfnissen der Patienten und am Gemeinwohl orientiert.

Für viele Menschen in diesem Land war demzufolge erkennbar, dass Jörg-Dietrich Hoppe sich trotz mancher gesundheitspolitischer Widerstände entschieden und leidenschaftlich für eine Gesundheitsversorgung eingesetzt hat, die sich an den Bedürfnissen der Bürger bemisst und bei der die Honorarfrage auf faire und angemessene Weise geregelt ist – jenseits von staatlicher bzw. parastaatlicher Reglementierung sowie ungebremster Merkantilisierung von Leistungen für krankheitsbedingt in Not geratene Menschen. Mit seiner ganzen Person hat Jörg-Dietrich Hoppe sich für die Gestaltung eines patientenorientierten Gesundheitswesens eingesetzt, in dem ethischen Aspekten Vorrang vor monetären Gesichtspunkten zukommt, in dem unter Berücksichtigung der Finanzierungsmöglichkeiten umsichtig die Frage einer Priorisierung verfolgt wird und das auch in Zukunft von den Ideen der Selbstverantwortung, der Solidarität und der Personalität geprägt ist. Besonnenheit, Kenntnisreichtum und eine zutiefst ethische Grundgesinnung lagen auch seinem Einsatz für gesetzliche Regelungen für die Sterbehilfe und die Präimplantationsdiagnostik zu Grunde.

Anliegen von Jörg-Dietrich Hoppe war die Erhaltung und die Ermöglichung einer Medizin mit menschlichem Antlitz.

Für die Verwirklichung dieser Zielsetzung hat sich Prof. Hoppe mit Entschiedenheit, Wahrhaftigkeit, Mut und einem realistischen Idealismus eingesetzt. Er hat sein zutiefst humanitäres Anliegen einer Medizin, die sich am Begriff der Menschenwürde orientiert, so zielvoll, mutig, uneitel und wahrhaftig vertreten, dass er nicht nur für die von ihm vertretenen Ärzte, sondern für viele Bürger in unserem Land eine hochgeschätzte und zutiefst vertrauensvolle Persönlichkeit war. Jörg-Dietrich Hoppe hat Menschlichkeit nicht gepredigt, sondern vorgelebt. Dafür möchten wir ihm danken!

Bei uns, den Mitgliedern des Dialogforum Pluralismus in der Medizin, wird Jörg-Dietrich Hoppe nicht nur in unseren Köpfen, sondern auch in unseren Herzen weiterleben. Die Vergegenwärtigung seines stets besonnenen, vermittelnden und humorvollen, aber auch mutvoll und enthusiastisch in die Zukunft blickenden Wesens möge unsere zukünftige Arbeit befeuern. Auch in unserem Dialogforum Pluralismus in der Medizin wird Jörg-Dietrich Hoppe in unserem Inneren weiterleben.

Prof. Dr. med. Peter F. Matthiessen

Prof. Dr. Gisela C. Fischer

Dr. Wolfgang Klitzsch

im Namen aller Mitglieder des Dialogforum Pluralismus in der Medizin

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