Fallkonferenz Integrative Medizin

2. Fallkonferenz Integrative Medizin - Gastroenterologie- am 11. September 2009

Kolorektales Karzinom und chronisch-entzündliche Darmerkrankung

Am Freitag, den 11. September 2009 fand in Berlin an der Charité-Universitätsmedizin Berlin im Rahmen des 57. Ärztekongresses Berlin die 2. Fallkonferenz Integrative Medizin des Dialogforums Pluralismus in der Medizin zum Thema Gastroenterologie statt.

Mitwirkende waren Prof. Dr. Dr. Jörg-Dietrich Hoppe, Prof. Dr. Stefan N. Willich, Dr. Matthias Girke, Prof. Dr. Hermann Heimpel, Dr. Jutta Hübner, Dr. Harald Matthes, Prof. Dr. Hans-Christian Deter, Prof. Dr. Karin Kraft, Dr. Carsten Büning, Prof. Dr. Herbert Lochs, Prof. Dr. Andreas Michalsen, Dr. Michael Teut, Prof. Dr. Benno Brinkhaus und Prof. Dr. Peter F. Matthiessen.

Am Beispiel von zwei Patientenkasuistiken (Colonkarzinom und Colitis ulcerosa) wurden verschiedene ärztliche Strategien vorgestellt, über mögliche inhaltliche und methodische Schnittflächen diskutiert sowie Grenzen und Möglichkeiten einer integrativen Zusammenarbeit festgestellt.

Der Austausch wurde mit großem Engagement und gegenseitigen Respekt geführt. 

Es zeigte sich, dass sich letztlich alle medizinischen Richtungen mit der Frage beschäftigten, wie Ärzte  in Zeiten von Leitlinien, dem DRG-System und DMP-Programmen einzelnen Patienten gerecht werden können. Der Gedanke eines erweiterten Medizinverständnisses wurde immer wieder aufgegriffen, besonders von Dr.med.  Matthias Girke und Dr. med.  Harald Matthes, die für die Anthroposophische Medizin referierten.

Dr. Girke und Dr. Matthes wiesen besonders auf die seelisch-geistige Dimension der vorgestellten Erkrankungen hin und Dr. med. Matthes fasste den Ansatz der Anthroposophischen Medizin folgendermaßen zusammen: „Mit der konventionellen Therapie gegen die Krankheit und mit der komplementären Therapie für die Gesundheit.“ Als wichtiges Ziel wurde in vielen komplementärmedizinischen Ansätzen die Anregung der Selbstheilungskräfte und der körpereigenen Ressourcen genannt.

Kontrovers wurde über die Misteltherapie, die beim kolorektalen Karzinom vorgestellt wurde, diskutiert. Hier zeigte sich, dass die Studienlage sehr unterschiedlich interpretiert wurde – die Vertreter der Anthroposophischen Medizin forderten diesbezüglich „gleiche Regeln für alle“, da die Mistel mittlerweile das am besten untersuchte onkologische Therapeutikum sei und es für die Verbesserung der Lebensqualität eine klare Evidenz gäbe. Grundsätzlich wurde aber kritisiert, dass die reine Fokussierung auf Studien und die externe Evidenz wenig bringe: „Die Ärzte brauchen nicht nur Daten, sondern vor allem viel Empathie für die konkrete Patientensituation“, meinte Harald Matthes.

Zusammenfassend wies Prof. Dr. med.  Stefan N. Willich auf das nach wie vor ungelöste Spannungsfeld zwischen evidenzbasierten Studien und der konkreten Patientenwirkung hin: „Was sind hierbei die richtigen Prädiktoren? Da steht die moderne Medizin noch ganz am Anfang.“

Als Aufgaben für die Zukunft wurden gemeinsame Studienvorhaben genannt, und zwar vor dem Hintergrund, dass Patienten häufig  verschiedene medizinische Ansätze miteinander kombinieren – und das ohne den behandelnden Arzt darüber zu informieren. Die Patientenperspektive sollte daher in zukünftige Forschungsvorhaben unbedingt mit einbezogen werden.

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